Das Wichtigste in Kürze
- Handeln: Wer in Österreich Microsoft 365 Copilot Business über einen Partner kauft, sollte vor dem 1. Dezember 2026 klären, wer das Ausgabenlimit für Copilot Credits festlegt. In Deutschland startet die Umstellung vorerst nicht.
- Planen: Google-Gems, die im Team für wiederkehrende Aufgaben genutzt werden, brauchen eine verantwortliche Person. Gems aus der Gemini-App werden zu Entwürfen, die aktiviert werden müssen; für Workspace legen Sie die Skills neu an.
- Planen: Unterstützte Texte berechtigter ChatGPT- und Codex-Nutzer erhalten in der EU in den kommenden Wochen ein Wasserzeichen. Das ändert nichts an der Pflicht, Inhalte selbst zu prüfen.
- Beobachten: Mistral Large 4 und Aleph Alpha Kolibri sind Kandidaten für Projekte mit europäischem oder lokalem Betrieb. Testen Sie mit eigenen Fällen, bevor Sie wechseln.
01 / 05
Microsoft 365 Copilot Business: Abrechnung nach Verbrauch ab 1. Dezember
Was passiert ist. Microsoft hat am 1. Oktober 2026 angekündigt, dass neue Lizenzen für Microsoft 365 Copilot Business, die über einen Partner (CSP) gekauft werden, ab 1. Dezember 2026 standardmäßig mit zusätzlicher Abrechnung nach Verbrauch ausgeliefert werden. Die feste Lizenz bleibt, der Verbrauch kommt für bestimmte Dienste hinzu. Ursprünglich war der 2. November geplant. Das voreingestellte Ausgabenlimit liegt bei 4.000 Copilot Credits pro Person und Monat, Administratoren können es ändern. Abgerechnet werden damit zusätzliche Dienste wie Copilot Cowork und die Work IQ APIs. Die Umstellung kommt zunächst nicht nach Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und einige weitere Länder. Österreich steht nicht auf dieser Liste. (Microsoft Partner Center, Ankündigungen Oktober 2026)
Was es für ein KMU bedeutet. Bei 20 Copilot-Nutzern erlaubt das Standardlimit bis zu 80.000 Credits im Monat, bevor etwas bremst. Wie viel das in Euro ist, hängt vom Preis pro Credit in Ihrem Vertrag ab. Wichtig ist auch eine Voreinstellung: Ausgabenrichtlinien gelten automatisch für künftige Dienste, die Microsoft hinzufügt, solange niemand die Option „Auto-apply new services“ abschaltet. (Microsoft Learn, Usage-based billing)
Unsere Empfehlung: handeln (Österreich). Fragen Sie Ihren Microsoft-Partner, ob Ihre nächste Copilot-Bestellung unter die neue Regel fällt. Legen Sie ein Limit fest, das zu Ihrem Budget passt, und bestimmen Sie, wer im Verwaltungsportal unter „Cost management“ die Verbräuche prüft. In Deutschland: beobachten.
02 / 05
Google Workspace: Skills ersetzen Gems
Was passiert ist. Google hat am 30. September 2026 Skills angekündigt: wiederverwendbare Anweisungen für Gemini, die in der Gemini-App und in den meisten Workspace-Apps funktionieren. In Workspace beginnt die Einführung am 5. Oktober 2026 für Domains mit schneller Veröffentlichung, für die übrigen Domains folgt sie bis Mitte November. Am 17. November 2026 wandern Gems in die Einstellungen der Gemini-App. Frühestens ab 1. März 2027 können Business- und Enterprise-Kunden Gems nicht mehr anlegen, bearbeiten oder nutzen. Verbleibende Gems in der Gemini-App werden dort automatisch zu inaktiven Skill-Entwürfen. Die Person, die sie erstellt hat, muss jeden Skill prüfen und aktivieren, bevor sie ihn nutzen oder teilen kann. Skills der Gemini-App und Skills in Workspace werden nicht abgeglichen: Für Workspace müssen Sie sie in Google Workspace Studio neu anlegen. In der Admin-Konsole lässt sich steuern, wer Skills in Workspace nutzen darf. (Google Workspace Updates, Google Workspace: Übergang von Gems zu Skills)
Was es für ein KMU bedeutet. Wenn Ihr Team Gems für feste Abläufe nutzt, etwa für Angebotsentwürfe oder einen Schreibstil, hängen diese Abläufe künftig an Skills, die jemand aktivieren oder in Workspace neu anlegen muss. Klären Sie bei Gems von ausgeschiedenen Mitarbeitenden vorab, wie Sie die Anweisungen sichern und als Skills neu anlegen.
Unsere Empfehlung: planen. Listen Sie die Gems auf, die Ihr Team tatsächlich nutzt, und ordnen Sie jedem eine verantwortliche Person zu, die es als Skill aktiviert oder in Workspace Studio neu anlegt. Prüfen Sie in der Admin-Konsole, ob Skills für die vorgesehenen Personen zugelassen sind, und testen Sie die wichtigsten Abläufe vor dem 1. März 2027. Allgemeine Regeln für KI-Werkzeuge im Team finden Sie in unserer Vorlage für eine KI-Richtlinie.
Haben Sie so einen Workflow?
Erzählen Sie uns davon: ehrliche Einschätzung und ein grober Preis, meist innerhalb eines Tages.
03 / 05
OpenAI: Wasserzeichen in der EU und ein neues Mittelklassemodell
Was passiert ist. OpenAI hat am 5. Oktober 2026 angekündigt, unterstützte Texte aus ChatGPT und Codex in der EU in den kommenden Wochen mit einem unsichtbaren Wasserzeichen zu versehen, für berechtigte Nutzer in allen Tarifen. In der API ist das Wasserzeichen für ausgewählte Modelle ab sofort weltweit zuschaltbar und standardmäßig aus. Zugang zum Erkennungswerkzeug erhalten zunächst nur geprüfte Forschende und Fachorganisationen. Hintergrund sind die Transparenzpflichten des EU AI Act. (OpenAI, Bericht bei TechCrunch)
Am 29. September 2026 hat OpenAI außerdem GPT-6.1 Sol veröffentlicht (OpenAI API Changelog). Bei Standardverarbeitung mit bis zu 272.000 Eingabe-Token kostet es in der API wie GPT-6 Sol 2 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 10 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 0,10 US-Dollar, bei GPT-6 Sol waren es 0,20 US-Dollar. Das größere Modell GPT-6 Astra kostet 10 beziehungsweise 50 US-Dollar. Für längere Prompts und andere Verarbeitungsstufen gelten andere Preise. Für Endpunkte mit Datenverarbeitung in einer bestimmten Region, etwa der EU, berechnet OpenAI bei Modellen, die am oder nach dem 5. März 2026 erschienen sind, einen Aufschlag von 10 Prozent. (OpenAI API Preise)
Was es für ein KMU bedeutet. Das Wasserzeichen ist ein technisches Signal, kein Nachweis, dass ein Text stimmt oder dass eine Kennzeichnungspflicht erfüllt ist. Laut OpenAI kann die Erkennung nach dem Überarbeiten eines Textes versagen. Wenn Ihre Automatisierung einen EU-Endpunkt mit regionaler Datenverarbeitung für ein betroffenes Modell nutzt, rechnen Sie den Aufschlag von 10 Prozent ein.
Unsere Empfehlung: planen. Halten Sie in Ihrer internen Richtlinie fest, dass KI-Texte vor der Verwendung geprüft werden, unabhängig vom Wasserzeichen. Wer heute Automatisierungen mit GPT-6 Astra betreibt, kann GPT-6.1 Sol mit 20 eigenen Fällen testen, bevor er umstellt.
04 / 05
Europäische Modelle: Mistral Large 4 und Aleph Alpha Kolibri
Was passiert ist. Mistral hat am 6. Oktober 2026 Mistral Large 4 als öffentliche Vorschau in seiner API veröffentlicht: ein multimodales Modell mit rund einer Billion Parametern und einem Kontextfenster von einer Million Token. Während der Vorschau läuft es in Mistrals eigenen Rechenzentren in Europa, zum Start mit 50 Prozent Rabatt für zwei Wochen. Die offenen Gewichte sollen bis Ende Oktober folgen. (Mistral, Mistral Changelog)
Aleph Alpha aus Heidelberg (Aleph Alpha) hat am 3. Oktober 2026 Kolibri veröffentlicht: ein Modell für Deutsch und Englisch mit 78 Milliarden Parametern, davon rund 3,5 Milliarden aktiv, unter der Apache-2.0-Lizenz. Die Modellgewichte belegen laut Modellkarte im FP8-Format etwa 78 GB; als Mindesthardware nennt sie unter anderem zwei Nvidia A100 mit je 80 GB oder eine H200. Aleph Alpha beschreibt es für Abläufe, in denen ein Mensch das Ergebnis prüft, bevor gehandelt wird. (Hugging Face, Aleph-Alpha/Kolibri-1)
Im selben Zeitraum hat Mistral OCR 4.0 zum 30. September 2026 abgeschaltet. Nachfolger ist OCR 4.1 zum gleichen Preis. (Mistral Changelog)
Was es für ein KMU bedeutet. Für Unternehmen, die Daten nicht an US-Anbieter geben wollen oder dürfen, wächst die Auswahl. Kolibri ist wegen der offenen Lizenz und der Ausrichtung auf Deutsch ein Kandidat für lokalen Betrieb, braucht aber leistungsfähige GPU-Hardware, die Sie selbst betreiben oder bei einem Anbieter in einem EU-Rechenzentrum mieten können. Mistral Large 4 ist derzeit eine öffentliche Vorschau; prüfen Sie vor einem produktiven Einsatz die geltenden Bedingungen. Auf der Modellkarte stehen 1,36 US-Dollar pro Million Eingabe-Token und 4,18 US-Dollar pro Million Ausgabe-Token, der Startrabatt gilt zwei Wochen. (Mistral Modellkarte)
Unsere Empfehlung: beobachten, bei Mistral OCR handeln. Wer Mistral OCR in einer Belegverarbeitung nutzt, sollte jetzt prüfen, ob der Ablauf noch das Modell mistral-ocr-4-0 anspricht. Für die neuen Modelle gilt: mit eigenen Fällen testen und die Datenbedingungen prüfen, bevor Sie Kundendaten verarbeiten. Wann lokaler Betrieb sich lohnt, beschreibt unser Vergleich Lokale KI oder EU-Cloud.
05 / 05
Kurz notiert: die übrigen Anbieter
| Anbieter | Was bestätigt ist | Relevanz für KMU |
|---|---|---|
| Anthropic | Nachtrag vom 28. September 2026, kurz vor diesem Zeitraum: Claude Sonnet 5.5 in der API, in Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry (Release Notes) | Testen, wenn Sie Claude in Automatisierungen nutzen; die API-Einstellungen zum Denkmodus haben sich geändert |
| OpenAI | Decisions API als Beta (6. Oktober) und drei statt fünf Nutzungsstufen in der API (API Changelog) | Beobachten |
| n8n | Zusätzliche Credits für den Assistenten in n8n Cloud Starter und Pro, auch automatisch nachkaufbar mit Monatsobergrenze (n8n Blog) | Klären, wer automatische Käufe einschalten darf; Workflow-Ausführungen verbrauchen keine Assistenten-Credits |
Meta, DeepSeek und Qwen haben wir ebenfalls geprüft und für diese Ausgabe keine Meldung aufgenommen. Bewusst weggelassen haben wir Berichte über Börsenpläne und Bewertungen von KI-Anbietern sowie Leistungsvergleiche aus Ranglisten. Sie ändern nichts an Ihren Abläufen. Welches Modell zu Ihren Aufgaben passt, zeigt nur ein Test mit eigenen Fällen; einen Überblick über die Business-Tarife gibt unser Vergleich ChatGPT, Claude oder Gemini.
Wenn Sie wissen möchten, was eine dieser Änderungen für Ihre bestehenden Abläufe bedeutet, sprechen wir gern darüber in einer KI-Beratung.



