Das Wichtigste in Kürze
- Prüfung und Verordnung, Auskunft zu Befunden und fachliche Erklärung bleiben Entscheidung der Praxis; der administrative Eingangsstatus und der medizinische Bearbeitungsstatus bleiben getrennt.
- Administrative Eingaben können Symptome oder Hinweise auf Dringlichkeit enthalten; ein System darf solche Angaben nicht glätten oder eigenständig Entwarnung geben.
- Verlangen Sie einen Nachweis für Version, Modul, Schnittstelle und konkrete Aktion der Anbindung an die Praxissoftware, nicht nur den Namen eines unterstützten Systems.
- Dieser Leitfaden behandelt Verwaltungsabläufe und vorgeschlagene Abnahmetests; er beschreibt keine medizinisch validierte Anwendung und keine bereits geprüfte Integration.
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Welcher Ablauf eignet sich als Einstieg?
Der sinnvolle Umfang richtet sich nach Ihrer Fachrichtung, Praxissoftware und Organisation. Dieser Leitfaden behandelt Verwaltungsabläufe und vorgeschlagene Abnahmetests. Er beschreibt keine medizinisch validierte Anwendung und keine bereits geprüfte Integration. Quellenstand: 26. September 2026.
Wählen Sie eine häufige Aufgabe mit klar erkennbarem Ausgang. Ein Rückrufwunsch ist geeignet, wenn benötigte Angaben, zuständiges Team und Bearbeitungsstatus definiert sind. Eine Rezeptanfrage kann administrativ aufgenommen werden; die Verordnung entsteht dadurch nicht automatisch. Bei einer Befundfrage können Identität und Zuständigkeit geklärt werden, ohne den Befund im offenen Dialog auszugeben.
Die Tabelle zeigt für fünf häufige Patientenanliegen, was KI administrativ unterstützen kann und was Entscheidung der Praxis bleibt.
| Anliegen | Mögliche administrative Unterstützung | Entscheidung der Praxis |
|---|---|---|
| Terminwunsch | Gewünschten Anlass und Kontaktweg aufnehmen | Passende Terminart und Freigabe |
| Rückruf | Anliegen zuordnen und Aufgabe anlegen | Bearbeitung und tatsächlicher Rückruf |
| Unterlage fehlt | Konkreten fehlenden Nachweis nennen | Medizinische Verwendbarkeit |
| Rezeptanfrage | Wunsch als Anfrage erfassen | Prüfung und Verordnung |
| Befundfrage | Sicheren Kontakt zur zuständigen Stelle organisieren | Auskunft und fachliche Erklärung |
Der Unterschied muss auch in den Formulierungen erkennbar sein. „Ihre Anfrage liegt dem Team vor“ ist eine andere Aussage als „Ihr Rezept ist fertig“. Schreiben Sie die erlaubten Aussagen vorab auf und testen Sie sie mit dem Praxisteam.
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Medizinische Dringlichkeit nicht beiläufig automatisieren
Administrative Eingaben können Symptome oder Hinweise auf Dringlichkeit enthalten. Ein System darf solche Angaben nicht in eine belanglose Kategorie glätten oder eigenständig Entwarnung geben. Legen Sie einen von der Praxis fachlich freigegebenen Umgang mit solchen Nachrichten fest, einschließlich klarer Grenzen des Kanals und geeigneter Kontaktwege.
Vermeiden Sie ein Versprechen wie „Der Assistent erkennt jeden Notfall“. Eine Klassifikation kann fehlgehen; Dialekt, schlechte Verbindung und unvollständige Angaben verschärfen das Problem. Die Praxis muss entscheiden, ob der gewählte Kanal für den beabsichtigten Zweck überhaupt geeignet ist und welche fachlich geprüften Hinweise bereits am Eingang erscheinen.
Die KBV-Hinweise zum KI-Einsatz betonen menschliche Verantwortung und die Prüfung der Anwendung. Verwaltungsunterstützung, medizinische Entscheidungsunterstützung und ein Medizinprodukt sind nicht dieselbe Beschaffung. Die älteren Fristangaben der Broschüre sollten zudem nicht als aktueller AI-Act-Zeitplan übernommen werden.
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Welchen Nachweis brauchen Sie für die Anbindung an die Praxissoftware?
Fragen Sie nicht nur nach dem Namen des unterstützten Praxisverwaltungssystems. Benötigt wird ein Nachweis für Version, Modul, Schnittstelle und konkrete Aktion: Kann eine Aufgabe angelegt werden? Ist ein Kalender lesbar? Welche Terminarten dürfen geschrieben werden? Wie kommt eine Bestätigung zurück?
Eine E-Mail an die Praxis ist keine bestätigte Eintragung im Praxissystem. Auch eine technische Verbindung zu einem Kalender beweist nicht, dass Behandlungsdauer, Raum, Mitarbeitende und andere Ressourcen richtig berücksichtigt werden. Wenn diese Regeln nicht zuverlässig abgebildet sind, bleibt der Bot bei einem Terminwunsch mit anschliessender Bestätigung durch das Team.
Definieren Sie einen führenden Vorgang. Eingang, Aufgabe und Termin dürfen unterschiedliche Kennungen haben; ihre Verbindung muss aber erhalten bleiben. Doppelte Nachrichten oder verlorene Rückmeldungen dürfen weder doppelte Termine noch verschwundene Rückrufwünsche erzeugen.
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Synthetischer Fall: ein Rückruf mit zusätzlichem Rezeptwunsch
Eine fiktive Patientin bittet um einen Rückruf und fragt zugleich nach einem Wiederholungsrezept. Der Assistent erkennt zwei Anliegen, erfasst den vereinbarten sicheren Kontaktweg und legt einen Vorgang an. Er bestätigt den Eingang, ohne eine medizinische Entscheidung oder einen Rückrufzeitpunkt zu versprechen, den die Praxis nicht freigegeben hat.
Das Zielsystem speichert den Rückruf, aber die Bestätigung der zusätzlichen Rezeptanfrage schlägt fehl. Der Ablauf darf nicht „alles erledigt“ melden. Intern bleibt sichtbar: Rückruf angelegt, Rezeptanfrage noch zu klären. Das Team prüft zunächst, ob die zweite Anfrage bereits existiert, bevor sie erneut angelegt wird.
Fragt die Patientin später nach, findet die Praxis denselben Vorgang und muss die Geschichte nicht neu aufnehmen. Erst die zuständige Person dokumentiert die fachliche Bearbeitung. Der administrative Eingangsstatus und der medizinische Bearbeitungsstatus bleiben getrennt.
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Welche Daten benötigt die Terminverwaltung?
Für Deutschland beschreibt die Datenschutzkonferenz die Anforderungen an externe Terminverwaltung. Dazu gehören die Beschränkung auf erforderliche Termindaten, klare Dienstleisterrollen und ein alternativer Buchungsweg. Eine vollständige vorsorgliche Übertragung aller Patientenstammdaten ist damit nicht automatisch gerechtfertigt.
Planen Sie deshalb pro Aufgabe die tatsächlich benötigten Felder. Ein Rückrufassistent benötigt nicht ohne Weiteres den gesamten Behandlungsverlauf. Ein Erinnerungsdienst ist zudem ein eigener Kommunikationsschritt: Berechtigung, Empfänger, Inhalt und Abmeldemöglichkeit müssen dafür geklärt werden.
Trennen Sie Kalenderdaten, medizinische Dokumentation und technische Protokolle. Eine fachlich notwendige Dokumentation kann anderen Aufbewahrungsregeln unterliegen als ein temporärer Importfehler. Ein Löschkonzept muss diese Unterschiede abbilden, statt pauschal alle Kopien dauerhaft zu behalten.
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Österreich, Deutschland und Schweiz gesondert prüfen
Österreich und Deutschland
In Österreich und Deutschland müssen die konkrete Verarbeitung von Gesundheitsdaten, die berufsrechtliche Verschwiegenheit und die gewählte Dienstleisterkette geprüft werden. Eine allgemeine Herstellerangabe „DSGVO-konform“ ersetzt weder den Vertrag noch die Prüfung des vorgesehenen Ablaufs. Für Österreich ist dabei insbesondere die Verschwiegenheit nach § 54 Ärztegesetz zu beachten.
Deutsche vertragsärztliche Praxen
Für deutsche vertragsärztliche Praxen erläutert die KBV ihre IT-Sicherheitsanforderungen. Diese sind nicht einfach als österreichische oder schweizerische Praxisregeln zu übertragen. Beziehen Sie die zuständige IT-Betreuung und die für Ihre Praxis geltenden Vorgaben ein.
Schweiz
In der Schweiz bleibt nach den Hinweisen des EDÖB zur Auftragsbearbeitung die Verantwortung bei der auslagernden Stelle; auch Geheimhaltungspflichten und Bearbeitungsorte sind zu berücksichtigen. Die erforderliche Prüfung endet daher nicht bei der Zusage eines Schweizer Servers.
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Zugang, Bedienbarkeit und Vertretung mitdenken
Zugang. Nicht alle Patientinnen und Patienten können einen Chat bedienen oder lange Ansagen verstehen. Halten Sie einen passenden alternativen Kontaktweg bereit. Prüfen Sie langsame Eingabe, Hör- oder Sehbeeinträchtigungen und Situationen, in denen eine bevollmächtigte Person anfragt. Deren Befugnis muss für persönliche Auskünfte passend geklärt werden.
Arbeitsliste. Mitarbeitende brauchen eine übersichtliche Arbeitsliste mit offenen Anliegen, Priorität nach den freigegebenen Praxisregeln, Zuständigkeit und Alter des Vorgangs. Eine Zusammenfassung sollte Quelle und Unsicherheit erkennen lassen. Fachlich relevante Originalangaben dürfen nicht durch eine knappe KI-Deutung verloren gehen.
Vertretung. Für Urlaub, Krankheit und Systemausfall muss die Vertretung den Stand übernehmen können. Wenn der automatische Kanal abgeschaltet wird, müssen bereits gespeicherte Anfragen weiterbearbeitet werden. Ein technischer Neustart darf die offene Arbeitsliste weder leeren noch ihre Zuständigkeiten zurücksetzen.
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Wie testen Sie einen ganzen Praxistag?
Welche Fälle sollte die Praxis testen?
Testen Sie synthetische Fälle für fünf Situationen eines Praxistages:
- eine normale Anfrage
- zwei Anliegen in einer Nachricht
- eine fremde Patientennummer
- eine unverständliche Aufnahme
- einen Ausfall nach erfolgreicher Speicherung
Ergänzen Sie fachlich freigegebene Tests für den Umgang mit Dringlichkeit; ein bestandener Einzeltest ist kein Nachweis vollständiger Notfallerkennung.
Was sollte die Praxis messen?
Messen Sie nicht nur die Zahl angenommener Kontakte. Für einen administrativen KI-Ablauf in der Praxis sind vier Messgrößen entscheidend:
- korrekt zugestellte Vorgänge
- vermeidbare Rückfragen
- übersehene Aufgaben
- die tatsächliche Bearbeitungszeit des Teams
Beziehen Sie die Nacharbeit ein, bevor Sie Entlastung behaupten.
Was sollte die Freigabe festhalten?
Die Freigabe eines administrativen KI-Ablaufs sollte vier Punkte festhalten:
- welche Aufgabe die Lösung unterstützt
- welche Aussagen sie machen darf
- welche Systeme geprüft wurden
- wer Änderungen genehmigt
So bleibt der Ablauf auch nach einem Softwareupdate oder einem Wechsel im Praxisteam nachvollziehbar.
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Weitere Vorlagen
Arbeitsblatt
Prüfblatt herunterladen
| Prüffall | Soll |
|---|---|
| Rezeptwunsch | Anfrage statt Verordnung |
| Fremder Befund | Geschützte Übergabe |
| Systemausfall | Keine falsche Terminbestätigung |
Spalten zum Ausfüllen in der Datei: Ist, Verantwortlich.
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Passende nächste Schritte
Diese Seiten führen die Planung administrativer KI-Abläufe in der Arztpraxis fort:
- KI-Automatisierung für KMU: Aufgaben, Auswahl und Umsetzung
- KI-Automatisierung für Arztpraxen
- Telefonassistent in der Arztpraxis: administrative Grenzen
- Dokumentenverarbeitung: Datenschutz, Löschung und Zugriffe
- KI-Automatisierung mit Freigabe: Wer prüft welchen Schritt?
- KI-Verordnung für KMU: Pflichten, Fristen und praktische Prüfung 2026



